Balkone und Terrassen endlich leicht gemacht
Balkorapid-System: Abdichten und voll Entkoppeln von Balkonen und Terrassen

Ulm, August 2003

Ein neues, voll entkoppelndes Balkon- und Terrassensystem wurde von Uzin entwickelt und ist in Abstimmung mit der Firma Gutjahr fertig ausgearbeitet worden. Mit diesem neuen System können Balkon- und Terrassenflächen bei einfacher Gefälleführung sehr schnell, bequem und sicher abgedichtet, entkoppelt und belegt werden. Der Name ist Programm: Balkorapid.

Dieses System zielt auch auf die Dränagefunktion unter dem Fliesenbelag ab und wird mit dem Gutjahr-System Watec 3E oder /- Watec 4E kombiniert. Sogar auf feuchten oder nassen Untergründen sowie auf Altuntergründen kann problemlos gearbeitet werden.

Die Einbauweise ist denkbar einfach, leicht und verständlich. Das Balkorapid-System ist in der Sanierung und Renovierung wie auch im Neubau gleichermaßen geeignet. Voraussetzung ist lediglich ein ebenflächiger, im Gefälle liegender Unterbau, der tragfähig, fest und lastverteilend vorliegt. Gefälleestriche, Beton sogar alte, fest anhaf-tende Fliesenbeläge dienen als Untergrund. Die nach DIN 1055 Teil 3 geforderten Flächenlasten bis zu 5 KN/m2 werden von dem Sys-tem problemlos aufgenommen.

Der eigentliche Vorteil liegt in der lose liegenden Abdichtungsbahn RR 185 von Uzin, welche im Stoß- und Anschlussbereich mit selbstklebenden Abdichtungsbändern geschlossen werden. Das geht schnell und einfach.

Was steht hinter dieser Entwicklung?

Eine unglaubliche Menge an Faktoren beeinflussen die Qualität der Ausführung im Aussenbereich - von der Untergrundbeurteilung auch in tiefer liegende Schichten hinein, der Komplexität der Ausführung über die Beurteilung der kommenden Witterungssituation bis hin zur Beurteilung der bauphysikalischen und bauchemischen Vorgänge innerhalb der einzelnen, eingesetzten Materialien und Schichten. Alle diese Faktoren spielen eine Rolle, wenn verschiedene Produkte zweier Hersteller im System ein überzeugendes Ganzes geben sollen.

Zunächst wurde die Untergrundsituation geklärt, um deren Beeinflussung auf das Gesamtsystem zu minimieren. Die im Balkorapid- System integrierte Abdichtungsbahn ist völlig unabhängig von den Vorgängen im Untergrund. RR 185 ist weitestgehend dampfdicht und verhindert aufsteigende Feuchtigkeit, ist sehr stabil, auch gegen mechanische Einflüsse. Da sie nicht verklebt sondern lose aufgelegt wird, spielt die Untergrundart nur eine Nebenrolle.

Im Normalfall hat der Verleger enorme Denkarbeit zu leisten und Details auszuarbeiten, um den Vorstellungen des Planers oder den Gegebenheiten des individuellen Bauwerks gerecht zu werden und um alle Parameter miteinander in Einklang zu bringen. Dieses eigentliche Hauptproblem sollte bei dem neuen System mit möglichst dünnschichtigen Komponenten abgewendet werden. Es war wichtig ein System zu entwickeln, das so einfach und verständlich wie nur möglich ist und trotzdem den vielschichtigen Anforderungen am Markt gerecht wird.

Der Aufbau ist im Grunde immer gleich. Mit den hierfür passenden und vorgesehen Grundierungen, Spachtelmassen (z.B. die fliessfähige Gefällespachtelmasse NC 395) und Schnellestrichen (z.B. den mittelschnellen Estrichbinder NC 191) von Uzin werden die geeigneten Untergründe hergestellt. Die wichtigste Anforderung an den Untergrund ist gute Ebenflächigkeit und ausreichendes Gefälle – aber bei diesen Materialien wird ein Fliesenleger damit fertig.

Sofort nach Begehbarkeit der Flächen – die genannten Produkten sind Schnellbauprodukte – kann die Abdichtungsbahn RR 185 mit dem Messer zugeschnitten und lose ausgelegt werden. Stöße und Anschlussfugen werden einfach mit den selbstklebenden Abdichtungbändern BST 150 und dem Objektfugendichtband abgeklebt. Der Verleger hat gerade hier größte Sicherheit, weil der Erfolg dieser Arbeit immer sofort kontrollierbar ist – nicht erst nach dem Schaden.

Um der örtlich schwer vorhersagbaren Witterungssituation zu entkommen, war Bedacht darauf gelegt worden, möglichst viele Produkte bzw. Schichten als Halbfertigerzeugnisse einzusetzen, die keine Trocknungszeiten haben und eine geringe oder keine Witterungsabhängigkeit besitzen. Mit der Abdichtungsbahn RR 185, den Abdichtungsbändern und dem Watec 3E/4E-System ist dies erfüllt. Diese Produkte werden einfach mit einem stabilen Messer zugeschnitten, ausgelegt und mit selbstklebenden Abdichtungsbändern verbunden.

 
 

Zuletzt musste über der sehr glatten Abdichtungsbahn ein System gefunden werden, das den Mörtel trägt und die Fläche durch Armierung zusammen hält. Die richtigen Mörtel- und Fugensysteme kommen von dem Ulmer Hersteller Uzin. Es konnte kein idealeres System gefunden werden, als die von Gutjahr entwickelten Dünnschichtdränagen Watec 3E bzw. Watec 4E. Das vorhandene Gesamtsystem von Gutjahr rundet mit den Wasser ableitenden Randprofilen und diversen Zubehör den ganzen Bedarf für einen schnell und einfach herzustellenden Balkon- und Terrassenbelag ab.


Auch nasse oder feuchte Untergründe können mit dem System überbaut werden. Durch eingesägte Lüftungsschlitze, welche am freien Ende des Belages circa 30 cm lang und im Abstand von 50 cm eingesägt sind, wird unterhalb der genoppten Abdichtungslage der Feuchtigkeitsaustausch zur Außenluft herbeigeführt.

Durch diese Konstruktion wird sichergestellt, dass von oben keine Feuchtigkeit eindringt und von unten keine Feuchtigkeit aufsteigt. Sollte trotzdem Feuchtigkeit unterhalb der Abdichtungsmatte vorliegen, kann diese im Laufe der Zeit austrocknen. Eine solche Konstruktion ähnelt der eines hinterlüfteten Daches.

Nun sieht sich der Verleger im Allgemeinen ständig der Herausforderung gegenüber, die richtigen Stoffe innerhalb der vorgegebenen Zeit so aufeinander abzustimmen, dass schädigende bauphysikalische oder bauchemische Wechselwirkungen vermieden werden. Beim Balkorapid-System hingegen gibt es eine geringe, aber klar definierte Systempalette. Zur Untergrundvorbereitung und zur Verlegung werden schnelle Systeme angeboten – damit der Verleger auch schnell arbeiten kann. Für die warme Jahreszeit wird noch zusätzlich ein normal erhärtender Mörtel angeboten, der aber immer mit Bedacht und Schutz gegen Auswaschung durch Niederschläge und weit vor der Frostperiode eingesetzt werden soll.

 

Die Vergütung der Mörtel mit der flüssigen Dispersion Power Mix entsteht aus der Verantwortung gegenüber dem Verleger heraus. Balkone und Terrassen sind nun mal hoch beansprucht und die flüssige Styrol-Butadien-Dispersion ist die notwendige „Sahne“ im Fliessbettmörtel Power Fluxx Turbo oder Power Fluxx.

Was kann das Balkorapid-System?

Alles in allem wird durch das Balkorapid-System eine doppelt entkoppelte sowie dränagefähige Belagskonstruktion aufgebaut. Durch die Abfolge der Schichten und Stoffe, wird der wechselseitige Einfluss der Produkte aufeinander minimiert und dadurch die Schadensanfälligkeit reduziert. Der Aufbau ist einfach und übersichtlich und an fast jedem Balkon oder jeder Terrasse ausführbar.

Ob nun auf vorhandenen Rohbetondecken oder neuen Lastverteilungsplatten ein neuer Fliesenbelag oder im Renovierungsbereich auf vorhandenen Belägen aufgebaut werden soll – das Balkorapid-System findet eine Lösung.

Besonders bei der Sanierung von Balkonen oder Terrassen an Wohnblöcken, bei denen Zeit- und Transportaufwand ein wichtiger Faktor für die Kalkulation und die Wahl des Ausführenden darstellt, empfiehlt sich dieses System. Davon abgesehen, dass alte, noch fest liegende Beläge nicht unbedingt ausgebaut werden müssen, gegebenenfalls nur überspachtelt werden, sind bis zur Verlegung der Keramik keine Stoffe mehr nötig, die gemischt werden müssen. Damit entfällt viel Transportarbeit, das Ziehen von Stromkabeln sowie das Umstellen von Geräten und Maschinen umstellen.

 

 

Die Erstellung von Balkonen und Terrassen an einem Tag ist inzwischen ein „alter Hut“. Es kommt jedoch darauf an, wie groß die Flächen sind oder um wie viele „Teil-“flächen es sich handelt. Auch die Anzahl der Mitarbeiter auf der Baustelle und die Fahrtzeiten zwischen Verlegfirma und Objekt spielen eine wichtige Rolle. Letztlich stellt sich aber bei allen Systemen die Frage, wie viel Aufwand in die Untergrundvorbereitung einzuplanen ist. Es sei mir gestattet: Die Untergrundvorbereitung dauert bei allen angebotenen Systemen immer gleich lang – wenn’s denn gut sein soll.

Der einzig zulässige Vergleich ist, wie lang die Wartezeiten zwischen den einzelnen Arbeitsschritten aus Trocknungs- und Erhärtungsgründen sind und wie lange die einzelnen Arbeitsschritte dauern. Zuschneiden, auslegen und abkleben ist sicherlich weniger aufwendig als zusätzlich noch zu verkleben. Dabei wird durch eine glatte, stabile Oberfläche der Abdichtungsbahn viel Sicherheit und Leichtigkeit für eine funktionierende Verklebung der Stöße und Anschlüsse erreicht.

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist die doppelte Entkoppelung. Die Abdichtungslage ist nur im Anschluss- und Randbereich (Drainabschlußprofil) durch flexible Bänder mit den fest angebrachten und konstruktiven Bauteilen verbunden. Selbst, wenn unter der Abdichtungslage horizontal weitende Risse entstehen würden, verringert dies nicht die Qualität des Aufbaus. Die feste Abdichtungsbahn liegt ja lose auf.

Über der Abdichtungsbahn liegt ebenfalls lose das Watec 3E oder 4E-System. Und dieses hält durch die eingebaute Glasfaserarmierung die einzelnen Feldflächen zusammen mit der Zusatzfunktion „Drainage“. Thermische Längenänderungen durch Kälte und Sonneinstrahlung werden direkt unterhalb der Watec-3E/4E abgebaut. Spannungen im Untergrund werden unterhalb der Abdichtungslage abgebaut. Das bedeutet: Keine schädigenden Wechselwirkungen mehr, die durch Kräfte aus dem Untergrund heraus bis zum Oberbelag hin wirken können und zu Scherungen oder Spannungen innerhalb der Abdichtungslage oder des Verlegemörtels führen.

Aus dieser Situation heraus ergibt sich die eigentlich einzige Einschränkung für das System. Es erfordert einen Untergrund mit einfacher Gefälleführung. Einfache Gefälleführung bedeutet: Ein ebenflächiger Untergrund, welcher in Richtung Wasser abführender Seite geneigt ist. Warum? Ungleiche oder trichterförmige Gefälleführung kann dazu führen, dass die Abdichtungslage und die Watec-Matte nicht eben aufliegt. Werden nicht aufliegende Lagen verlegt und verfugt, kann diese Stelle unter Last einbrechen. Dadurch können Risse entstehen, welche sich mit Wasser füllen und in der Frostperiode zu Sprengungen führen.

Gefälle sind also so auszubilden, dass die einzelnen Felder als geneigte, aber ebenflächige Flächen vorliegen. Bei einem Balkon in L-Form muss diagonal über den Eckbereich eine Scheitelhöhe im Gefälleestrich vorhanden sein. Über dieser Scheitelhöhe liegen Abdichtungslage und Watec-Matte getrennt. Diese sind durch das SL-Fugenband abgedeckt. Über der Scheitelhöhe muss zudem eine Bewegungsfuge im Belag eingebaut werden.

Im Übrigen gelten hier die Verlegeanleitungen von Gutjahr sowie des Balkorapid-Systems von Uzin. Ergänzend zu diesen sind die Richtlinien gemäß ZDB-Merkblatt „Bodenbeläge aus Fliesen und Platten ausserhalb von Gebäuden“, Ausgabe April 2001, zu beachten. Hier ist, wie immer, im besonderen die Feldgröße wichtig. Die Seitenlängen der Felder sollen nicht länger als 5 m sein und das Seitenverhältnis Länge zu Breite nicht größer als 2:1. Bei Materialien mit höherem thermischen Längenausdehnungskoeffizient sind kleinere Felder anzulegen.

Auch wenn dieses System neu erscheint, so liegt doch einiges an Erfahrung vor. Es existieren Beläge mit diesem System, die vor circa drei Jahren schon eingebaut wurden. Um noch mehr Sicherheit zu bekommen, wurden die schönen Beläge wieder ausgebaut und geschaut, wie sich die Untergründe hier entwickelt haben. Ergebnis: negativ – kein Schaden, keine Schädigungen – der Ausbau war in diesem Fall umsonst. Uzin hat sich bei der Marktöffnung so lange zurückgehalten, bis auch die letzen Unsicherheiten an diesem System beseitigt waren.

Alle hier vorgesehenen Produkte sind aufeinander abgestimmt und liegen seit drei Jahren auf Baustellen im Test und in Beobachtung und es konnten keine Schäden festgestellt werden – fachgerechte Ausführung ist wie immer Voraussetzung.

Für dieses System bieten Gutjahr und Uzin neben der „klassischen Gewährleistungspartnerschaft“ auch die 5-jährige „Balkorapid“-Gewährleistungspartnerschaft an. Beide Unternehmen halten technische Unterstützung sowie einfache und verständliche Einbauanleitungen vor.

 

Übrigens: Sollte der Bauherr seinen Belag einmal nicht mehr mögen, schneidet man diesen zu handlichen Stücken und trägt Ihn davon. Ist die alte Abdichtungsbahn noch in Ordnung wird einfach ein neuer Belag eingebaut. Schneller und bequemer geht es nicht.

Autor:

Bernhard Reck, Fliesenlegermeister, Leiter Uzin-Produktmangement und Anwendungstechnik Stein & Keramik, öbuv-Sachverständiger

Stand: August 2003

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